Ralf Gabler – Anti-Aging Experte und Gesundheitsberater

Läufer mit Knieschmerzen durch Arthrose

50plus Podcast | Arthrose | Daniel Hannemann | #9

Daniel Hannemann, dein Physiotherapeut in Hamburg im Interview

Arthrose, egal ob Knie oder Finger, Gelenkschmerzen, Bewegungseinschränkungen. Kennt doch fast jeder ab einem bestimmten Alter. Was es nicht ist, warum du dir keine Sorgen machen musst und was du gegen deine Gelenkschmerzen und deine Arthrosebeschwerden tun kannst, erklärt dir mein heutiger Interviewpartner Daniel Hannemann. Daniel ist aktiver Physiotherapeut, der ausschließlich evidenzbasiert arbeitet. Viel Spass beim Anhören.

 

Daniel Hannemann erreichst du über seine Homepage:  Achilles Altona – Praxis für Physiotherapie
Den Podcast von Daniel Hannemann findest du hier: Frag deinen Physio

Für alle „Nichthörenwoller“ habe ich ein automatisches Transcript erstellt. Braucht noch Nachbearbeitung, aber vielleicht hilft es auch schon so weiter.

 

Podcast Transcript:

 

Du bist nie zu alt, um jung zu sein. Der 50+ und drunter Podcast. Genieße dein Mittelalter stark, glücklich und gesund. Mit Ralf Gabler.

Ralf: Ja hallo! Herzlich willkommen beim 50plus Podcast heute wieder mit einem ganz coolen Altersthema. Ich habe den Daniel Hannemann hier bei mir. Der Gute ist Physiotherapeut und hat deshalb, nicht deshalb, aber er hat ganz viel Ahnung. Unter anderem im Thema Arthrose, wo wir uns heute mal als Einstieg drüber unterhalten wollen. Und dann schauen wir mal, wo es Gespräch hingeht. Hallo Daniel.

Daniel: Hallo Ralf, schön hier zu sein. Danke für die Einladung.

Ralf: Ja, sehr gerne. Wir haben uns ja im Internet kennengelernt, kennen uns also nicht persönlich. Ich weiß, dass du sehr evidenzbasiert unterwegs bist. Also eine Schiene, die mir persönlich auch super gut gefällt. Sprich du baust auf das auf, was bewiesen und belegt ist, was durch Studien eigentlich klar und sauber wissenschaftlich dasteht.

Daniel: Genau.

Ralf: Daniel, ich hab dich ja nur ganz kurz eigentlich namentlich vorgestellt. Erzähl doch mal so ein ganz kleines bisschen zu dir.

Daniel: Also erst mal finde ich es immer schön, dass du die Vorstellung gemacht, wir haben uns im Internet kennengelernt. Das klingt immer so ein bisschen nach Parship oder sowas. Aber tatsächlich gibt es ja schöne Austausch Börsen, wo interessierte Gesundheitsdienstleister sich treffen und da haben wir uns ja auch kennengelernt. Ja, ich bin Physiotherapeut.

Das Ganze schon, auch eine gewisse Zeit, seit 23 Jahren. Bin in Hamburg selbstständig und habe da eine Praxis. Und in der Praxis, die es mittlerweile relativ groß geworden. Wir sind fast 20 Leute mit ungefähr 15 Physiotherapeuten und dem restlichen Personal, was halt für die Organisation wichtig ist. Wir haben zu zweit gestartet 2002 und jetzt sind wir irgendwie 20 und es ist schon ein ganz schöner Tanker, muss man sagen. Wir sind sehr stark ausgerichtet auf gesetzlich Versicherte. Also wir sind tatsächlich zu 99 prozent in der gesetzlichen Versorgung von Patienten tätig und haben uns sehr spezialisiert auf den orthopädisch und chirurgischen Bereich. Also wir sind sehr aktive Therapeuten, haben ein über 90 Quadratmeter großen Sport Raum, indem wir die Leute richtig schrubben und sind sehr aktiv dabei.

Ralf: Ja, auch mit mit viel Begeisterung. Ich fand ja deinen Namen sehr cool, Physiokasper.

Daniel: Ja, das ist wie gesagt manchmal im Patienten Kontakt. Kommt man sich denn wie der Kasper vor, der irgendwie immer dasselbe erzählt und irgendwann nur noch mit dem Knüppel auf die Leute einprügeln müsste? Aber ja.

Ralf: Ja, wie ich finde, sehr cool. Ich liebe das ja, wenn Menschen ein bisschen Humor haben und auch über sich selber lachen können und sich so über die eigenen Geschichten ein bißchen lustig machen können. Ich finde es ja ganz groß und begeistert mich komplett.

Daniel: Ja, ohne Humor kommt man durchs Gesundheitswesen noch nicht durch. Das ist einfach nicht möglich. Entweder mit einer großen Depression oder mit ganz viel Humor. Ich nehme den Humor, wenn ich es kriegen kann, das ist die bessere Variante.

Ralf: Ja, ja. Wir hatten ja mal ganz kurz vorgesprochen, dass Arthrose so ein Thema ist. Was bei 50Plus an, doch eigentlich ein Standard-Thema ist, wo eigentlich fast jeder schon mal mitzutun hatte. Was kannst du von deiner Warte aus zum Thema Arthrose sagen? Was kommt dir spontan in den Sinn, wenn du hörst: Ich habe Arthrose oder ich habe da eine Diagnose Arthrose da und da, was tun wir?

Daniel: Das erste was mir dazu in den Sinn kommt, ist, dass die Leute häufig, wenn sie das kommunizieren: Ich hab eine Arthrose. Dann machen die immer das Ganze mit einem sehr betrübten Gesicht. Also es ist eine sehr große negative Aufladung mit dem Begriff Arthrose verbunden. Das begegnet mir immer wieder. Und das führt halt tatsächlich auch häufig dazu, dass eine Arthrose schmerzhaft wird oder schmerzhafter wird. Weil das meistens ja der erste Gang zum Arzt ist, weil man Schmerzen hat.

Der schiebt einen denn durchs Röntgen, durchs MRT und danach ist es dann bestätigt. Sie haben eine Arthrose und dann geht auch häufig so ein bisschen der Leidensweg los, der meiner Meinung nach unnötig ist. Also teilweise unnötig ist. Also als erstes mal eingestiegen bei einer Arthrose zur Kommunikation, es heißt immer: Naja, ihr Knorpel ist jetzt weg und da schleift Knochen auf Knochen.

Das ist aber nicht immer so. Also ja, der Knorpel ist weg. Aber alleine dieses Bild, meine Knochen schleifen aufeinander. Das nur ist schon gruselig und das löst ja etwas aus in jemanden. Also damit steigt es dann meistens schon ein, dass man mit so einem Bild gesegnet wird.

Und dann ist meine erste Aufgabe tatsächlich immer das Ganze mal ein bisschen geradezurücken. Als erstes muss man sagen wir sind hier im 50plus Podcast.

Also, wenn jeder mit über 50 jetzt bitte mal an sich runter guckt und hoch guckt, da ist schon mal ein graues Haar, irgendwo wird eine Falte aufzufinden sein und es ist alles nicht mehr so außen, wie es mit 20 war. Und jetzt kann noch keiner erwarten, dass mit über 50 meine Gelenke noch so aussehen wie mit 20! Also natürlich gibt es einen Prozess, ein Alterungsprozess. Meine Haut, meine Haare, meine Gelenke.

Das heißt, Arthrose ist erstmal etwas völlig Normales. Das Ausmaß macht es dann natürlich ein bisschen. Aber wenn ich jetzt einen 60 jährigen, 70 jährigen, der keinerlei Schmerzen hat, röntgen oder durch ein MRT schicken würde, würde ich bei dem auch eine Arthrose finden. Also es ist zuallererst mal nur eine Diagnose, weil es auf einem Bild steht oder gezeigt wird. Und das ist tatsächlich schwierig dann.

Das erste, was ich mir dann angucke ist erst mal: Okay. Was macht diese Arthrose denn jetzt erst erstmal mit dir? Also welche Funktion fehlt dir? Und das ist häufig halt, dass die Geh-Strecke nicht mehr so lang ist. Also geht man auch nicht mehr so lang. Und man hat ja das Bild im Kopf, auch wenn ich das Gelenk jetzt weiter belaste, dann nutzt es sich nur noch schneller ab. Also diese Progression durch Benutzung, die ja völlig falsch ist. Also Arthrose bildlich dargestellt, heißt erstmal noch gar nichts.

Es gibt auch Studien und Untersuchungen dazu, wo hunderte Leute durchs MRT gejagt wurden, die keinerlei Probleme hatten und alle hatten irgendwas auf den Bildern: Arthrose, Bandscheibenvorfälle, sonstige Sachen. Also ein Röntgenbild sagt tatsächlich noch nichts über zu erwartenden oder tatsächlichen Schmerz aus. Oder zur Ursache des Schmerzes.

Ralf: Okay, das erst mal nur ganz kurz dazwischen. Es wäre jetzt so ähnlich, wenn ich das jetzt richtig verstehe und um es vielleicht auch nochmal klarzumachen. Es klingt nach total wichtigen Punkt. Ich finde das wäre, wie wenn du mit Zahnschmerzen zum Zahnarzt gehst und der Zahnarzt sagt, sie haben da aber Falten um die Augen und um einen Mundwinkel.

Daniel: Ja, das ist es. Es kann zusammenhängen, muss es aber nicht. Kausalität und Korrelation. Es kann sein, dass das die Schmerzen macht, aber es muss nicht so sein.

Und was macht das, wenn man so ein Röntgenbild hat? Also meistens mit denÜberzeugungen nichts Gutes. Also wenn wir mal von der Struktur wegbleiben. Die Leute werden aufgeladen mit der Überzeugung: Naja, wenn ich das Gelenk jetzt belaste, dann wird es noch schlimmer. Da nutzt es sich noch schneller ab, noch mehr ab. Solche Geschichten. Da schleift Knochen auf Knochen. Das tut ja dann tatsächlich auch weh. Muss man ja sagen.

Die Leute gehen ja nicht aus Jux und Tollerei zum Arzt. Und solche Patienten hast du dann in den Händen, oder tauchen ja dann auch bei dir auf. Wo man ja sagt: Ja die haben eine Bewegungs-Angst. Die haben eine wirklich ausgeprägte Bewegungs-Angst, weil Gesundheitsberufe wie Ärzte denen eingeredet haben, dass jede Bewegung jetzt dazu führt, dass es schlimmer wird. Das ist der erste Kampf gegen die Windmühle, den man erstmal aufnehmen muss, bevor man sich tatsächlich um die Struktur kümmern kann.

Ralf: Also auch nochmals um’s festzuhalten, wenn ich dich richtig verstanden habe, Daniel. Der Schmerz kann mit der Arthrose zusammenhängen, muss aber nicht. Und zweiter Fall der Knochen reibt jetzt nicht auf Knochen oder nutzt sich dann umso schneller ab, je mehr man sich bewegt.

Daniel: Nein, tut er nicht. Also zum Thema Arthrose. Was ist eine Arthrose? Es ist etwas mehr als ‚der Knorpel ist abgenutzt‘, sondern Arthrose kann man als Krankheitsbild oder als Bild eines Gelenks betrachten, wo alle Gelenk-Partner dran beteiligt sind. Also es ist der Knorpel, es kann der Knochen da drunter sein. Das ist dann die Phase wo es halt tatsächlich in den Schmerz gehen kann, weil Knorpel hat keine Schmerz-Zellen. Also ein sich abnutzender Knorpel schmerzt nicht, erst wenn er wirklich weg ist.

Es gibt Studien die sagen: Okay da kann durch Veränderungen auch Schmerz einspriessen. Aber so weit wollen wir jetzt gar nicht mehr gehen. Das wichtigste sind halt die umgebenden Strukturen ums Gelenk, also die Gelenk-Kapsel, die Gelenk-Innenhaut, also die Gelenk Schleimhaut rückt da ein bisschen mehr in den Fokus. Das ist die, die die Gelenk-Flüssigkeit halt auch produziert. Also diese Viskose-Flüssigkeit, die auch für eine Ernährung des Knorpel sorgt und für einen Stoßdämpfer sorgt.

Es können die Bänder, die um das Gelenk sind, natürlich betroffen sein und ein ganz großer wichtiger Faktor die gelenkumgebende Muskulatur, die Schmerzen ausstrahlen kann. Also es ist wirklich komplex. Darum gibt es auch tatsächlich nicht die eine immer funktionierende Arthrose Therapie, sondern es gibt ganz individuelle Therapie. Nur man muss rausfinden, woran es liegt.

Ralf: Danke! Genau. Das heißt aber auch nochmal, um das vielleicht auch für die, die Zuhörer festzuhalten. Der Knorpel selber schmerzt nicht exakt.

Daniel: Es schmerzt dann, wenn tatsächlich der Knorpel mit Abwesenheit glänzt und tatsächlich, daher kommt dieses Bild, der Knochen auf Knochen reibt. Aber er reibt ja nicht, da ist ja immer noch die Gelenk-Flüssigkeit und es ist ja jetzt nicht eine kompletter Knorpel-Verlust. Es sind ja meistens nur Defekte, die größer oder kleiner sind.

Ralf:. Ja, super. Dankeschön, dann können wir das Bild mal, wie es klingt geraderücken. Was, ich glaube wirklich, als Nocebo, also als das Gegenteil zum Placebo, wirkt. Wo eben dann auch gleich so eine psychische Panik mit dazu kommt. Oh Gott, ich hab Arthrose. Ich werde doch leiden, mein restliches Leben lang.

Daniel: Genau. Arthrose wird halt immer sehr schnell mit ‚ich brauch ein künstliches Gelenk‘ gleichgesetzt. Ich habe jetzt eine Arthrose und der Arzt hat mir schon gedroht, da muss bald ein neues Gelenk rein. Es lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Gelenk-Ersatz ist natürlich bei einer fortgeschrittenen Arthrose das Mittel der Wahl. Aber vorher hat man eigentlich noch sehr viel Potential, was zu tun tatsächlich und das sollte man ausschöpfen.

Ralf: Hast du gesagt, dass du ein bisschen oder das ihr ein bisschen spezialisiert seid in der Praxis auch auf OP Vermeidung? Was sicherlich ein spannendes Thema ist für ganz viele Zuhörer, weil ich glaube irgendwie auf eine OP hat dann doch auch kaum einer Bock.

Daniel: Ja das ist tatsächlich, wo ich auch mal schmunzeln dazu sage, es gibt manchmal Leute, die sich halt dann da vorstellen und sagen: Naja, ich müsste jetzt sehr viel trainieren, um das wegzukriegen. Na, da lasse ich mir mal lieber schnell ein Gelenk einbauen. Also der Gelenk-Ersatz ist tatsächlich schon so gesellschaftsfähig geworden, dass das so to go gemacht wird, bevor jemand dann halt ein bisschen trainieren muss. Das ist mir auch schon sehr oft untergekommen.

Also ja, grundsätzlich sind die Leute schon interessiert, es zu vermeiden, aber häufig ist es manchmal auch anders. Aber zu deiner Frage. Ja, wir sind als Praxis sehr orthopädisch ausgerichtet. Also mit all diesen orthopädischen Krankheitsbildern. Und vor, lass mich lügen, 3 Jahren kamen wir mit einem Programm in Kontakt von zwei großen Krankenkassen, die ein sogenanntes OP-Vermeidungs-Programm in die Welt gerufen haben.

Das hieß dann, dass eine Diagnose Arthrose vorliegen muss und der Arzt dann dieses Programm einschreiben konnte und die Patienten dann bis zu 32 Trainingseinheiten verschrieben bekommen haben, um gegen die Arthrose vorzugehen. Ziel dieses Programm war es, die Operation mindestens um zwei Jahre zu verschieben. Das war so sozusagen das Statement des Programms und daran haben wir über zwei Jahre teilgenommen.

Das Programm ist leider eingestampft worden. Ich gehe tatsächlich mal auch von Corona dazu aus, dass die Ausgaben für Corona dann dazu geführt haben, dass alle Programme, die nicht gesetzlich vorgeschrieben waren, eingestampft wurden. Ist eine Mutmaßung.

Aber ich muss sagen, in der Zeit haben wir als Praxis sehr viel Erfahrung damit gesammelt. Und auch vor diesem Programm, muss ich sagen, habe ich auf die Arthrose doch einen anderen Blick gehabt. Also da war ich tatsächlich so ein bisschen in meinem alten Denken aus der Ausbildung von vor 23 Jahren gefangen und war auch noch ein bisschen in diesem ‚Knorpel weg und das macht den Schmerz‘ drin.

Aber wenn du dann siehst, dass eine nachweisliche Arthrose mit Schmerzen durch Training besser wird und sogar Leute schmerzfrei dadurch geworden sind. Also wirklich auf Schmerzen weniger als einmal die Woche runter, dann muss ich sagen: Okay, es kann nicht am Knorpel liegen, weil der Knorpel ja immer noch weg ist. Also der kann nicht den Unterschied machen.

Und wir haben da eine verhältnismäßig geringe Anzahl. Also da muss ich lügen, ich hab’s nicht durchgezählt, ungefähr 30 Leute in dem Programm gehabt und bei, anekdotische Evidenz jetzt, aber, bei weit mehr als der Hälfte, haben wir tatsächlich die OP vermeiden können und deutlich heraus schieben können. Und das fand ich sehr interessant. Und ich bin ja Pragmatiker.

Die Leute, wo wir die Operation nicht hinausschieben, Kunden, die waren optimal auf die Operation vorbereitet. Wir haben an Beweglichkeit, an Kraft, an Ausdauer alles nochmal aus dem Gelenk rausgeholt. Und dann kam das neue Gelenk und die waren auch ziemlich schnell wieder fit. Danach war er einfach gut vorbereitet und nicht schon mit mit Vermeidungsverhalten und wenig Bewegung dann tatsächlich darauf gekommen.

Ralf: Das also klingt, ich möchte jetzt mal sagen, klingt schon fast zu gut, um wahr zu sein.

Daniel: Es ist individuell. Es hat halt jeder anders drauf reagiert, aber es haben alle tatsächlich davon profitiert. Entweder über die Schmerz-Reduktion, eine Verbesserung oder über eine optimale Vorbereitung.

Ralf: Welche Technik des Handauflegen habt ihr denn jetzt da eigentlich verwendet?

Daniel: Schamanische Beschwörungen, Klangschalen und natürlich die Faszien Therapie jederzeit. Nein.

Ralf: Wir sind uns einig, ich dachte schon das es irgendsowas war.

Daniel: Genau das war’s dann. Nein, natürlich nicht.

Es war tatsächlich rein aktive Behandlung. Es war Sport. Die Leute mussten sich bewegen. Und was ich halt in dem Programm tatsächlich super gut fand, war, dass du eine Stunde Zeit hattest und ein Befund mit den Leuten aufzunehmen. Also wirklich strukturiert. Es war nicht nur was tut weh? Sondern auch was macht das mit ihnen? Was bewirkt das und welche Ziele sind zu definieren mit den Leuten? Also was möchtest du nach diesen 32 Einheiten wieder können? Das war großartig.

Und das heißt, du hast ein super aussagefähigen Befund mit den Problemen. Du hast Ziele und mit den Zielen sind wir dann in den Trainingsraum gekommen. Und meiner Meinung nach darf auch ein 80 jähriger einen gepflegten Muskelkater entwickeln. Die wurden wirklich alle einmal muskulär im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch geschrubbt und da hat sich tatsächlich keiner beschwert. Muss man mal sagen. Die haben auch keine Lust mehr, sich zu beschweren. Aber grundsätzlich muss man sagen alle haben das eingesehen und alle haben halt sehr schnell erste Fortschritte mitgemacht.

Ralf: Das klingt total gut. Da kommt mir sofort aber in den Kopf, das würde mich jetzt interessieren, wie ihr das überwunden habt. Diese Geschichte, wenn Leute zu mir kommen mit der Aussage: Ja, aber ich kann doch das Gelenk nicht bewegen, das tut doch weh.

Daniel: Es ist im Rahmen dieses Befundes, da hab ich schon versucht, so viel wie möglich an Aufklärung mit reinzunehmen. Also es ist ja, ich erinnere mich, irgendwann in deinem Podcast, da hattest du mal jemand, der auch ein bisschen was zu Arthrose erzählt hat. Und so die verschiedenen Feiler zu der Arthrose aufgezählt hat, wo ich einfach immer nur schmunzelnd nicken musste, weil es genau die perfekte Erklärung war.

Also eine Arthrose Therapie steht, da können wir nachher vielleicht nochmal ein bisschen genauer dazu kommen, auf drei Beinen. Das erste Bein ist das Training: Kraft, Ausdauer, Mobilität. Das zweite Bein ist etwas am Gewicht, an Ernährung zu tun. Und das dritte Bein ist halt tatsächlich, was ich für sehr, sehr, sehr wichtig halte die Education, also das Aufklären der Patienten, was da tatsächlich stattfindet.

Und dieses, es reibt nicht Knochen auf Knochen. Und selbst wenn, es gibt kein Gewebe im menschlichen Körper, was nicht Belastung braucht, um sich zu verbessern. Andersherum: Jedes Gewebe braucht Belastung, damit es seine Funktion erhält. So ist es besser ausgedrückt. Und einem kaputten Gelenk diese Belastung vorzuenthalten, macht es nur noch kaputter, weil davon lebt es, davon ernährt es sich, davon gibt’s die Aufbau Prozesse.

Also die Education am Anfang hat schon sehr gut geholfen, um die Leute erstmal anzutreiben, so: Naja, okay, ich probier’s mal. Und dann haben wir natürlich, wir haben eins zu eins Zeit mit den Leuten gehabt. Naja, das ist ein Traum. Also keine Gruppe oder sonst irgendetwas, sondern ich konnte mich 1:1 mit den Leuten beschäftigen. 30 Minuten. Das hat immer völlig ausgereicht. Und dann haben wir erst einmal angefangen, was geht und was geht nicht. Und dann haben wir an dem ‚was geht nicht‘ gearbeitet. Und das ist ja kein geheimes Physio-Wissen mit unglaublich komplexen Übungen, die nur unter der richtigen Mondphase die Wirkung entfalten. Das sind ganz simple Übung.

Das ist mal das Hinknien, das ist mal der Ausfallschritt, das ist mal eine Stufe hochsteigen. Das ist überhaupt nichts schlimmes. Es kommt dann auf die Dosierung an, da sind wir Physiotherapeuten ja ganz gut. Aber das ist ja kein geheimes elitäres Wissen, das sind einfachste, simpelste Übung, die einfach nur gemacht werden müssen. Mehr nicht.

Und dann, so die erste Phase, das waren dann acht Einheiten, die die Leute verordnet bekommen haben. Und innerhalb dieser acht Einheiten hat man schon tatsächlich Verbesserungen gesehen. Und das hat dann natürlich motiviert. Und dann gab’s meistens nochmal Schwung von zwölf bis 24 Einheiten danach. Und dann hat das Ganze eine Dynamik gekriegt, finde ich immer. Weil das war dann tatsächlich, wo die Aussagen kamen: Ja, ich kann nicht mehr weit laufen. Also ich schaffe es jetzt einmal vor die Wohnung und zurück. Und dann sagt man halt, 500 Meter sind so das Maximum, was die Leute vorhergehen konnten.

Und dann hat man im Laufe der Therapie häufig festgestellt: Ich gehe dann wieder einkaufen. Mit meiner Frau bin ich dann spazieren gegangen oder mit meinem Mann. Ich hab das wieder gemacht. Als wir gefragt haben, wieviel laufen Sie denn jetzt zusammen? Ja, so drei, 4000 Schritte schaffe ich jetzt am Tag.

Das heißt, sie sind von 500 Schritten auf 4000 Schritte gekommen. Also die Beste war wirklich, die ist auf 7000 Schritte wieder gekommen, ohne Probleme. Aber da muss ich sagen, das ist dann halt genau das, wo ich sage: Hey, Ziel der Therapie erreicht. Die sind wieder motiviert. Die können täglich ihre eigenen Schritte gehen und sind gar nicht mehr von mir abhängig. Weil es geht ja nicht darum, die Leute von mir abhängig zu machen, sondern zu befähigen, selbst etwas zu machen. Und das Beste was du machen kannst sind Alltags Bewegung, spazieren gehen, Treppe steigen und so weiter und so fort. Und das ist halt: Ich steige Treppe nicht mehr, weil es schmerzt. Ja, irgendwann kann ich die Treppe nicht mehr steigen, weil ich es nicht mehr gemacht habe. Das sind so diese Phänomene.

Und das hat halt so eine Eigendynamik, dass man einfach sagen musste, nach 30 Behandlungen war der Drops gelutscht. Also da kann ich nicht mehr viel für dich tun. Du bist im normalen Bewegungs Rhythmus und dann kann man ja mal einzelne Termine machen um den Plan ein bisschen anzupassen. Aber das Ding lief von selber bei den meisten Leuten.

Ralf: Super spannend und super interessant, weil das das ist ja wirklich irgendwo auch Alltag für unsere Leute, sag ich jetzt mal. Vor allen Dingen für die, die vielleicht über 50 sind und zuhören, das eben wirklich Dinge zunehmend schlechter gehen und man dann dabei Schmerzen hat. Aber wenn ich deine Aussage richtig interpretiere und so sehe ich es zumindest: Auf jeden Fall kommen die Schmerzen, einfach weil man es nicht mehr macht. Das heißt, du möchtest im Prinzip genau das Gegenteil machen. Du solltest nicht mehr nichts tun, sondern du solltest es gerade tun, dass es eben wieder funktioniert.

Daniel: Genau die richtige Dosierung macht es dann natürlich. Also wenn etwas Schmerzen macht, such ich mir halt bei einer Übung, tatsächlich hab ich ja mehrere Stufen, die ich runter gehen kann. Also entweder mache ich weniger Wiederholungen, weniger Gewicht, weniger Bewegungs-Ausmaß. Und dann passe ich die Übung erst so an, dass sie schmerzfrei bis schmerzarm durchgeführt werden kann und dann kann ich ja von da aussteigen. Das ist ja nichts anderes als Training. Und selbst wenn ich bei, von außen betrachtet, läppischen Bewegungen bin, mit läppischen Gewichten und minimaler Bewegungs Amplitude, wenn ich das beim nächsten Mal steigern kann, komm ich da doch raus. Und das ist ja eigentlich das Ziel, was man hat.

Ralf: Ja, also klar klingt für mich klingt das total logisch. Also auch das gesamte Vorgehen. Jetzt muss ich es einfach erzählen. Jetzt rede ich dich ganz kurz tot. Es kam mir nämlich, als du das mit der Education gesagt hattest und diesen Bildern im Kopf. Es gibt einen ganz spannenden Versuch, den ich über meine Hypnose Ausbildungen mitbekommen habe von einem kanadischen Knie Spezialisten, der doch tatsächlich ein völlig von der Idee her komplett wahnsinniges Experiment gewagt hat.

Der hat die Hälfte seiner Patienten nur noch zum Schein operiert. Das heißt, der war spezialisiert auf dieses Waschen, Legen, Fönen im Knie, minimal invasiv. So einmal durchspülen, bisschen rum fräsen et cetera. Das alles wieder glätten, sauber machen. Und der hat irgendwann mal die schräge Idee gehabt, er behandelt die Hälfte seiner Patienten nur noch zum Schein. Also ist keine Story, das ist nachprüfbar. Er hat dann in die Haut Schnitte gemacht, hat denen auch am Knie rumgemacht, da war eine grüne Wand davor. Die durften sich das dann wie das heute so eben im Medizin Entertainment üblich ist, die OP oben auf einem Bildschirm angucken. Also was in dem Knie gemacht wird.

Bei den Schein-Patienten war das dann das Video vom Vorgänger, wo richtig operiert wurde, dass der tatsächlich das Gefühl hatte. Was jetzt wenig spannend ist, was natürlich zu sagen ist, da hatten die nicht operierten oder schein operierten, die hatten nach der OP weniger Schmerzen, direkt mal danach, als die operierten. Klingt noch irgendwie logisch und vernünftig. War ja keine OP da. Spannend ist dann, wenn man die Nachfolge Untersuchungen sieht.

Die waren nämlich auch nach einem halben Jahr und auch sogar nach fünf Jahren, schmerzärmer oder schmerzfreier als die real operierten.

Daniel: Das kann ich mir tatsächlich bei den, wie hießen sie früher, Gelenk-Toiletten tatsächlich gut vorstellen. Das ist ja Gott sei Dank heutzutage auch ein bisschen, in die Vergessenheit nicht, aber es wird weniger gemacht.

Ralf: Aber ich kriege es immer noch relativ häufig mit. Dass das tatsächlich so diese kleinen OPs am Knie sind, wie: Wir gehen da mal rein. Wir glätten den Knorpel so ein kleines bisschen.

Daniel: Also es wurde früher auch so gemacht: Naja, wir sind uns nicht sicher. Wir schauen mal rein. Symbolisch so einfach mal reinschauen finde ich jetzt aber nicht so cool. Und so im Laufe meiner Physio-Karriere muss ich einfach raus sagen: So ein Kniegelenk verträgt tatsächlich auch nur eine begrenzte Anzahl an ‚wir schauen da mal rein‘, bevor man wirklich sagen kann, das wird jetzt nicht mehr besser. Es wird mit jedem mal reinschauen, nicht besser.

Aber solche ähnlichen Geschichten kenne ich auch und ich glaube heutzutage hättest du ethische Probleme, mit Schein-Operationen. Aber es zeigt schon ganz viel, dass der Schmerz und Arthrose ja so ein bisschen mit in den Bereich der chronischen Schmerzen gehört, dass der Schmerz nicht wirklich nur an der Struktur hängt. Also esmag was kaputt sein, ja, aber wenn du mit Schein-Operationen Verbesserung des Schmerzes herrührst, dann kann doch der Schmerz Faktur nicht die Struktur sein, oder?

Ralf: Sehe ich auch so.

Daniel: Von daher, wie gesagt ist es ja, wenn du die chronischen Schmerz-Faktoren nimmst, dann ist ja die Struktur die kleinste davon bei den chronischen. Einer der größten Treiber sind halt Überzeugungen, also der Knochen reibt auf Knochen oder ich werde bald eine Prothese brauchen oder ich sehe mich bald im Rollstuhl, die ganzen Sachen. Stress ist was extrem auf Schmerz zu greifendes, schlechter Schlaf auch und Angst. Und der Stress Schlaf Angst Komplex, der befeuert sich halt ständig selber. Mit Stress und Angst da schläfst du schlecht, wenn du schlecht schläfst, hast du mehr Schmerzen, hast du mehr Schmerzen, hast du Angst und so weiter und so fort. Also wenn du an den Schmerz ran willst, sind auch tatsächlich diese Faktoren von großer Wichtigkeit bei einer Arthrose.

Ralf: Okay. Als eher weg von diesem rein, so würde ich es jetzt verstehen, strukturellen Schmerz Verständnis: Ja, da muss was wehtun, weil was kaputt ist.

Daniel: Genau. Also in der Physiotherapie sprechen wir vom bio psychosozialen Modell. Das heißt, es wird natürlich die biologische Einheit, der Mensch und die Struktur gesehen. Aber halt auch unsere Gedanken haben Kraft, unser Sozialleben hat Kraft. Also alleine Beispiele wie Arbeit. Wie viele Leute sich auf der Arbeit nicht wohlfühlen und dieses acht Stunden plus X unwohl fühlen, weil Mobbing oder sonst irgendetwas, ist ja auch nicht selten. Das macht sehr viel mit meinen Schmerz, stellt ihn sehr in den Vordergrund. Oder jetzt zu Corona Zeiten wieder Homeoffice. Die Leute haben weniger soziale Kontakte. Auch das macht sich negativ auf den Schmerz bemerkbar.

Ich erlebe es tatsächlich in der Praxis auch, dass das Auswirkungen hat und dass du solche Schmerz Sachen tatsächlich nur über den persönlichen Kontakt auffangen kannst. Also wir haben jetzt tatsächlich die Möglichkeit, auch viele Behandlungen über Video Therapie zu machen. Das fand ich in der ersten Phase der Pandemie auch sehr interessant. Wir haben es ausprobiert und sehr viel gemacht, aber tatsächlich auch jetzt, wenn wir es den Leuten anbieten: Nein, ich komme lieber zu ihnen. Wir sind dann zum Teil einzige Sozialkontakte und du merkst einfach, was das mit Schmerz macht. Viel.

Ralf: Okay, also das wäre ja mal fast schon, es wird ja immer mal wieder angesprochen, auch im Podcast, der bis jetzt sehr Schmerz- und Physiolastig oder Trainingslastig war die meiste Zeit. Aber einfach auch mal auf dieses Bio-Soziale-Schmerz-Modell näher einzugehen. Aber ich glaube es gibt dann eher mal eine eigene Sendung.

Daniel: Aber das kann ich sehr empfehlen, weil das glaube ich das etwas ist, was den Schmerz, egal welchen, ob es die Knie-Arthrose ist, ob es der Rückenschmerz ist, ob es andere chronische Sachen sind. Das ist, also Training ist immer eine Hauptintervention natürlich, aber du kommst halt nicht unbedingt dann wirklich in die Tiefe, wenn du diese anderen Faktoren nicht berücksichtigst. Und darum finde ich das sehr wichtig. Und ich finde es tatsächlich schade im Gesundheitssystem, dass es diese Verbindung zwischen Physiotherapie und Psychotherapie so nicht gut gibt.

Das ist einfach, entweder rennst zu Physiotherapeuten oder zum Psychotherapeuten, aber es gibt keine Schnittstelle dazwischen. Also kein ambulante Programm, wo du hingehen kannst und sagen kannst: Okay, ich kämpfe gegen meinen Körper und ich kämpfe gegen meine Überzeugung, im Positiven. Jetzt nicht gegen ihn zu kämpfen, sondern sozusagen alle Faktoren damit reinzunehmen. Und das ist leider tatsächlich im gesetzlichen Kontext Versicherung nicht vorgesehen. Musst du eine Kur machen, dann kannst das machen, aber ambulant bisher so mir nicht bekannt.

Ralf: Ich kenne es leider auch nicht und kann aus meiner Erfahrung auch nur sagen, dass die Kommunikation in der Medizin eindeutig zu kurz kommt. Das, was oft auch als sogenannte sprechende Medizin bezeichnet wird. Dass das komplett zu kurz kommt und dass da aus meiner Sicht klar mit meinem hypnotherapeutischen Hintergrund einfach auch ein Riesenpotenzial drinsteckt und eine riesen Möglichkeit drinsteckt, wie man Leuten nicht invasiv bei einer riesigen Vielzahl von Problemen weiterhelfen kann.

Daniel: Da bin ich ganz bei dir. Also ich fabuliere hier immer von entsprechenden Physiotherapie auch gerne, weil ich einfach denke, auch wir Physiotherapeuten müssten anfangen, die Leute viel weniger anzufassen. Also vom gesetzlichen Rahmen haben wir für die Krankengymnastik oder eine manuelle Therapie rund 20 Minuten Zeit. Und da muss man einfach sagen, um sprechende Physiotherapie zu betreiben, ist das viel zu wenig. Und was bleibt mir denn anderes übrig, als mich auf die Struktur zu konzentrieren? Und dann fehlen all diese anderen Sachen, die ich schon sagte, die fallen damit raus und den wunder ich mich, dass es halt nicht effektiv ist.

Und ich mache das ja wie du. Ich als Praxisinhaber bin ich ein bisschen freier in meiner Zeiteinteilung. Meine Mitarbeiter werden mich dafür hassen. Aber ich kann mir dann die Zeit nehmen, weil es bei mir dann halt nicht darum geht. Und ich hab halt auch Leute, die dann wirklich sagen: Hier ich komm eine Stunde zu dir und dann lass uns was zusammen machen und dann hast du halt mal diese Zeit. Und dann sehe ich, dass sich mit einmal einer Stunde weiterkomme als mit 6 mal 20 Minuten, weil ich einfach das Ganze sehen kann.

Und naja, wenn ich jetzt also das Ganzheitliche sehe, jetzt nicht vom Esoterischen, aber ich kann mir die Struktur angucken, ich kann mir die Überzeugung dazu angucken und ich kann mir sozusagen auch ein bisschen was vom Arbeitsplatz und vom Sozialleben erzählen lassen. Also ich kann aus verschiedenen Blickwinkeln mir diesen Schmerz angucken und das finde ich ist mir das wichtigste und das fehlt uns leider im gesetzlichen System.

Ralf: Ja, absolut. Also da bin ich froh drum, weil ich ja zum Glück nicht im gesetzlichen System drin hänge. Das heißt, ich kann mir die Zeit nehmen und lass sie mir bezahlen, was ich natürlich den Kundenkreis dann zwangsläufig einschränkt, weil sich das eben wiederum nicht jeder leisten kann.

Was so gesehen natürlich bisschen unfair ist oder scheinen mag oder wie auch immer, aber ist für mich ein Riesending und ich sehe das absolut so. Bei mir ist Training, also ich trainiere eigentlich mit jedem Kunden, aber das Sprechen dazwischen und während dessen und nebenbei ist mindestens so wichtig wie wie das Training selber auch.

Daniel: Ja und ich glaube ja tatsächlich oder dazu komme ich zu der Überzeugung bei mir, dass die Leute tatsächlich das Geld, was sie für eine sinnvolle Behandlung ausgeben müssten, überschätzen. Weil es geht ja darum, wenn Leute zu dir kommen, zum Training, das ist vielleicht etwas Dauerhaftes. Aber bei mir in der Physiotherapie bin ich ja mal ganz ehrlich. Ich will die Leute so schnell wie möglich wieder loswerden. Also das soll ja kein Dauerzustand sein. Ich möchte Sie ja befähigen, ihr Problem selber zu managen, egal in welcher Richtung und nicht abhängig von mir zu machen. Das gesetzliche System belohnt leider diesen Gedanken nicht.

Es ist viel attraktiver, die Leute zu Dauer-Patienten zu machen. Aber das kannst du nicht sein. Und wenn ich sehe, dass ich innerhalb von zwei, dreimal einer Stunde, was ich da erreichen kann, in relativ kurzer Zeit und danach sagen muss: Ja, jetzt stehst du auf eigenen Beinen, jetzt kannst du selber weitermachen. Das ist ja überschaubar, sag ich jetzt mal. Es kommt natürlich auch immer auf den, bei mir sind es Patienten, bei dir sind es Kunden. Es wird natürlich teurer, je weniger Eigenmotivation die Leute haben. Wenn die halt nur ihr Training machen, wenn du daneben stehst und die Peitsche schwingst, dann ist es halt eine 1 zu 1 Situation und dann ist es teuer.

Wenn du aber, wo ich versuche immerhin zu arbeiten, auch bei den Patienten sagst: Okay, du kriegst jetzt dein Plan mit, den machst du bitte unter der Dosierung und mit den Übungen. Wie gesagt keine Hexenwerksübung, einfach Übungen und einfach nur Routine reinkriegen. Und dann sehen wir uns in vier Wochen wieder für den nächsten Termin. Dann kostet das nicht zweimal die Woche, Preis X, sondern es ist einmal eine Stunde und dann hat man Monat Ruhe. Also es ist, glaube ich übersichtlicher als viele immer denken.

Aber man muss halt immer den Hintergedanken haben. Ich möchte den Leuten quasi den Werkzeugkasten selber in die Hand drücken, dass sie mit den Tools, die sie bei mir kriegen, selber ihre Sache in den Griff kriegen. Und wenn das mal nicht funktioniert, dann können sie ja jederzeit zu mir kommen. Also wie der Hausmeister in seinem eigenen Haus. Du kannst schon ziemlich viele Sachen selber machen. Gut, beim Wasserrohr-Schaden holt man dann den Klempner. Da doktert man nicht selber mehr rum. Aber eine Glühbirne wechseln oder sonst irgendetwas. Die einfachen Wartungsarbeiten für deinen Körper kannst du auch selber tun. Und die Befähigung das dauert tatsächlich nicht so lange.

Ralf: Stimme ich dir völlig zu. Das Richtige zu tun ist nicht so aufwendig und so schwierig. Es ist eben, deshalb sage ich das bei mir ja auch tatsächlich, da ist einfach ganz viel soziale Komponente mit drin und ist sehr viel Coaching mit drin, dabei.

Deshalb bezeichne ich mich auch primär nicht als Trainer, sondern primär eher als Coach, weil ich eben bei denen, ich habe überwiegend Unternehmer in der Kundschaft, ganz viel einfach auch wirklich Meinungsaustausch und Fragen hast, die einfach auch da wichtig sind. Das pure Training ist, wie du auch sagst, kein Hexenwerk.

Daniel: Und wenn du den Leuten diese Blockade, die Angst vor der Bewegung nehmen kannst, indem du ihnen erklären kannst, warum ihr Schmerz da ist und dass das nichts damit zu tun hat, dass sie das Gelenk belasten. Wenn du diesen Bremsklotz rausnimmt, dann passiert sehr häufig sehr viel Gutes, was eine gute Eigendynamik kriegt. Und dann braucht es mich halt vielleicht ab und zu nochmal, um so ein kleines bisschen die Richtung zu korrigieren. Aber die Leute stürmen dann einfach los und gut los.

Ralf: Ist also faktisch. Kann ich nur bestätigen. Du hast vorher gesagt, da würde ich noch gerne ganz kurz zumindest mal drauf eingehen. Wir sind schon wieder endlos am Reden hier, aber es ist spannend. Hauptsäule ist Training. Macht es jeder Physiotherapeut so? Also ich habe oft die Geschichte ich gehe zum Physio zum massieren und der bewegt mich dann ein bisschen.

Daniel: Ich weiß nicht, ob man das durchs Mikro hört, aber ich fange schon wieder an schwer zu atmen, wenn ich das höre. Ich hasse das. Also bei mir gibt’s den abfälligen Begriff :der Heil-Streichler und ich muss halt auch tatsächlich sagen, dass Physiotherapeuten, die das ernsthaft dauerhaft so machen, in meinen Augen keine Physiotherapeuten sind. Also ich will Strukturen verändern. Wenn ich sie massiere, da passiert da wenig.  Ja, es tut gut, aber es ist es. Also es tut für den Augenblick gut.

Aber wo führt es denn wieder hin? Das führt halt wieder zu einer Abhängigkeit. Also wenn du irgendwann konditioniert bist, dass es mir nur gut geht, wenn der Ralf oder der Daniel da seine Hand dran legen und dran rum kneten, dann ist das für uns geschäftlich hervorragend. Die kommen immer wieder. Aber für den Patienten ist es eine Katastrophe, weil mein Schmerz wird nur besser, wenn der da anfasst. Und das ist eine ganz, ganz, ganz schlechte Überzeugung. Das muss ich sagen. Ja, eine Massage kann auch mal, um eine Behandlung oder was Aktives einzuleiten, sinnvoll sein. Das ist in Ordnung.

Aber du kommst halt tatsächlich am Training nicht vorbei. Du musst auch die Überzeugung gewinnen: Hey, ich habe selber eine Hand, ich habe die Übung, ich bin alleine jetzt hier. Aber ich kann das alleine machen. Und wie gesagt, ich höre das ja auch ständig. Wir kriegen häufig Patienten mit zwei Rezepten, wo man dann fragt: Ja, was haben Sie denn das erste Rezept gemacht? Da war ich in der Praxis. Aber die haben mir das Bein nur massiert oder die haben mir den Rücken dann nur massiert. Dann dampft es so ein bisschen unter dem Deckel und ich muss mich dann immer sehr zurückhalten. Und denk einfach, das können die Therapeuten doch nicht ernsthaft immer noch als seriöse Leistung verschreiben. Und ich muss auch sagen, ich versteh’s nicht.

Also ich habe sehr viel mobile Massage früher gemacht. Mir tun die Finger immer noch weh. Massage ist jetzt auch nichts geiles als Therapeut zu machen und es ist halt auch nicht nachhaltig. Also du hast kein Erfolgserlebnis, was du damit produzierst. Was denk ich mir denn? Ich mache mir die Finger kaputt und habe keinen Erfolg damit. Also ich verstehe die Therapeuten dann auch nicht. Und ich sag es jetzt, es gibt sinnvolle, du merkst schon wieder, ich komme in Rage. Nein, aber es gehört für mich in die allermeisten orthopädischen Formen, Kreis, Krankheiten immer etwas Aktives dazu. Es kann mal etwas Passives sein, aber auch das sollte mit aktiven Sachen abgerundet werden.

Ralf: Ja, das  handhabe ich ähnlich. Also Massage mach ich manchmal auch ein bißchen. Aber wenn, dann eher, um kurzfristig einen Schmerzen bisschen runter zu drücken, egal ob das dann die Zuwendung war oder was auch immer den Schmerz kurzfristig etwas gelindert hat, dass derjenige danach besser trainieren kann. Das er das as Gefühl hat: Okay, jetzt gerade geht’s besser, ich probier jetzt mal.

Daniel: Ja und wenn jemand ohne Probleme das als Wellness-Leistung bucht, wer bin ich denn, sein Geld abzulehnen? Also der massiere ich auch. Aber im Rahmen eines: Ich habe hier in Arthrose oder ich habe hier Schmerzen. Machen Sie das mal mit Massage weg. Nö. Also damit branden auch regelmäßig die Patienten tatsächlich bei uns am Tresen auf, wo sie denn häufig mit dem KG-Rezept kommen. Und dann kommt der Standardspruch: Naja, aber mein Arzt hat gesagt, sie sollen da mal Massage machen. Er kann es aber so nicht verordnen. Und dann ist klar. Ich sage dann: Also ich ruf kurz mal beim Arzt an und dann frage ich nochmal nach. Nee, nee, wir können ja mal gucken.

Also es ist natürlich bequem und es ist schön auf der Liege zu liegen und es fast jemand einen an. Wie gesagt, die Faktoren, dass du damit ein bisschen den Muskeltonus senken kannst, dass du den Schmerz reduzieren kann, sind ja gut. Aber als alleinige Maßnahme? Nö.

Ralf: Nein. Also das ist ganz klar, das weiß ich, was ich auch vor meiner Erfahrung aussagen muss. Das funktioniert so kurzfristig mal schon, aber das hält eben nicht. Da ist nach Minuten bis Tagen der Effekt wieder durch.

Daniel: Also ganz böse ausgedrückt. Was ich vorhin schon sagte, wenn du deine Kunden zu Dauer Patienten machen möchtest, massiert du sie bei Schmerzen gerne.

Ralf: Stimme ich dir zu, aber mach ich eben nicht gerne. Zum einen Mal mag ich mich wirklich nicht als Guru irgendwo reinhängen, der dann der nötig ist, um irgendwas zu in Ordnung zu bringen, weil das auch meinem Verständnis von Leben irgendwo sowas von komplett widerspricht. Ich bin irgendwo immer, da versuche ich dahin zu kommen, dass ich möglichst mein gesamtes Leben ohne externe Experten selber gestalten kann, so wie ich es will. Das ist irgendwo so meine Lebensbasis Grundvorstellungen.

Daniel: Und das ist ja wie gesagt, um bei dem Hausmeister Modell zu bleiben. Wenn du ein guter Hausmeister deines Hauses bist, dann brauchst du extrem selten wirklich mal jemand, der kommen muss, weil es was größeres gibt. Aber, keine Ahnung, wenn du dich in deinem eigenen Haus nicht auskennst und keine Ahnung hast wie rum man eine Glühbirne rein schraubt, dann ist halt schon schlecht. Und dann brauchst du halt auch die externe Hilfe. Und dann wird es halt auch teurer.

Ralf: Ja, genau das. Ich kannte das Hausmeister Modell in Bezug auf den Menschen so nicht. Ist aber ein sau gutes Modell. Also das ist wirklich, ich finde es prima, das ist auf jeden Fall schon mal für heute mein ganz großes Learning.  Nein, ich finde es toll, gerade wenn du auch merkst: Ok, Hausmeister, im Keller stinkts und du warst schon seit 4 Wochen nicht mehr unten. Dann wird es wahrscheinlich nicht weniger riechen, wenn du da nicht runter gehst, sondern du musst eben runtergehen, feststellen, dass sich ein Haufen Müll angesammelt hat und den dann anfangen mal raus zu schaffen. Also Müll im übertragenen Sinne. Und anfangen aufzuräumen und zu gucken warum es stinkt und dann kannst dich drum kümmern.

Daniel: Und mit dem Bild können halt viele Leute tatsächlich etwas anfangen. Und das ist halt scherzhaft. Könnte man sagen ja, die Leute gehen bei mir in die Hausmeister Ausbildung. Es löst halt tatsächlich ein Schmunzeln aus. Es ist verständlich, wenn man einfach sagt: Ja, je besser ich mich mit dem was ich habe auskenne, desto billiger wird es und desto weniger Komfort-Verlust hab ich zu befürchten. Und wie gesagt, dass das hilft beim Transportieren der Nachricht an die Leute, das halt Überzeugungen auch wichtig sind.

Ralf: Ja. Du musst dann auch nicht warten, bis der Handwerker Zeit hat und dich zwischen seine guten Termine irgendwo zwischen rein schiebt und notfalls Wochen, Monate oder Jahre lang wartest, bis was repariert wird, sondern du kannst dich selber dran machen. Kleinigkeiten kann man erst mal selber erledigen.

Daniel: Siehst du, das Bild klau ich mir jetzt. Das ergänze ich jetzt mal dazu. Das ist man muss einfach nicht warten. Und seien wir ehrlich in der Physiotherapie, bist du ein Physiotherapie-Termin kriegst. Das dauert zum Teil, je nach Landstrich und je nach dem, was du hast zwischen zwei und sechs Wochen. Also wäre es ganz cool, so ein paar Not-Reparaturen alleine durchführen zu können.

Ralf: Genau. Es dauert ja allein schon mal minimum zwei bis sechs Monate, bis du ein Termin beim Orthopäden kriegst, der nachher einen Termin beim Physiotherapeuten gibt z.B..

Daniel: Das macht es dann halt nochmal schwieriger. Also dass du halt tatsächlich im gesetzlichen System du darauf wartest, dass die Leute vom Arzt kommen. Und zum Teil finde ich es zum großen Teil noch sehr gut, dass sozusagen der Arzt die Diagnose stellt, weil das einfach auch noch nicht so zu den Ausbildungsinhalte der Physiotherapeuten gehört hat. Das wird besser und die Physiotherapeuten akademisieren sich auch langsam. Es wird, aber es gab bis jetzt halt diese Konstellation nicht. Darum muss man halt dann auch sicher gehen, dass der Physiotherapeut nicht irgendwas wichtiges übersieht. Also ist der Arzt schon richtig im jetzigen System. Aber er kostet halt Zeit.

Ralf: Absolut richtig. Wunderschön. Da finde ich doch, dass das Hausmeister Modell, das gemeinsam ausgebaute, finde ich doch auch eine geniale Geschichte zum sag ich mal so einen kleinen Break zu machen. Wir sind mittlerweile bei fast 50 Minuten. Ich kenne es von meinem eigenen Erwachsenen-ADHS, ich tu mich irgendwann am Tag schwer, länger zuzuhören. Ich mach jetzt mit dir das gleiche Bösartige wie mit allen, die bisher im Podcast waren. Ich sag Daniel, das war so cool und wir haben noch ein paar Themen offen. Wir wiederholen das einfach mal, auch wenn irgendwelche Rückfragen oder sowas von dir als Zuhörer kommen. Jetzt nicht von dir Daniel, sondern von dir Podcast-Hörer draußen am Rundfunkgerät.

Schreibt das unten rein in die Kommentare. Meld dich bei uns, lass von dir hören. Dann haben wir hier nochmal ein wunderschönes Gespräch und einen wunderschönen Aufhänger, über was wir uns weiter unterhalten können. Und ich hab dich ja eh schon oder du hast mich angetriggert mit dem Thema der Bio-Sozialen-Schmerz-Komponenten. Psycho fehlt noch, Bio-Psychosozial und wie Psycho-Neuro-Immunologie. Sehr ähnliche Geschichte, geht aber auf die gleiche Schiene raus. Könnt auch mal ein richtig cooles Gespräche auch werden, hätte ich irgendwie Bock drauf. Ich hoffe ich kann dich da nochmal verpflichten.

Daniel: Da sag ich jetzt schon mal zu. Also das Gespräch hat mir sehr viel Spaß gemacht und vielleicht auf das Hausmeistern Modell, das lasse ich mir jetzt als Marke eintragen. Dann hole ich mir jetzt jedes mal Lizenzgebühr wenn du es erwähnst.

Ralf: Okay, gut. Naja, was gut ist, muss auch bezahlt werden.

Daniel: Wir haben das gemeinsam jetzt entwickelt. Du darfst das nutzen.

Ralf: Ja, für mich sag ich dir ganz herzlich Dankeschön! Mir hat es nämlich wirklich auch total Laune gemacht. Ich habe neue Sachen gelernt, alte wieder aufgefrischt. Hab das Hausmeister-Modell neu kennengelernt, was mir sehr gut gefällt und wird jetzt einfach von meiner Seite aus schon mal sagen. Dankeschön. Bis zum nächsten Mal. Und dir das Schlusswort überlassen.

Daniel: Och verdammt. Schlussworte hab ich nicht vorbereitet jetzt. ich muss sagen, also es hat mir auch total Spaß gemacht. Ich glaube, wir teilen den gleichen Humor. Ich glaube, wir teilen die gleiche Sicht auf die Dinge beim Patienten. Und das macht in solche Gespräche halt auch wirklich kurzweilig und spaßig. Ich sehe den Counter oben ja auch schon bei 50 Minuten mitlaufen. Wo ist die Zeit geblieben?

Also ich komme gerne wieder. Die Einladung nehme ich hiermit schon mal an. Und ansonsten an alle Hörer bitte in Bewegung kommen und in Bewegung bleiben. Vor allem bei Arthrose. Das kann ich einfach nur nochmal mitgeben. Und damit bin ich raus.

Ralf: Okay, dann sag ich recht herzlich: Danke, Daniel! Du hast übrigens auch, hab ich ganz vergessen zu erwähnen, einen wunderschönen Podcast. Auch den werden wir unten in Shownotes verlinken. Natürlich auch deine Praxis. Also schaut rein. Danke. Und bis zum nächsten Mal.

Das war der 50+ und drunter Podcast. Wenn es dir gefallen hat, abonniere jetzt und hinterlasse einen Kommentar Alle weiteren Infos zur Folge findest du in den Shownotes.

Ralf Gabler erreichst du unter ralfgabler.de.

Er freut sich, von dir zu hören. Bis zum nächsten Mal.

 

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