Scheinheiligkeit und weltmeisterliche Lügen

Wir sind Weltmeister. Hammer! Und das schon kurz nachdem wir Papst waren. Unglaublich. Sorry, aber mir geht das ganz ernsthaft am Gesäss vorbei. Dir vermutlich auch, denn wir waren weder wirklich Papst, noch sind wir jetzt Weltmeister. Auch wenn noch so viele versuchen uns das im Zuge einer Massenhysterie einzureden. Und Achtung – politisch wird es jetzt höchst unkorrekt!

Ganz dreist finde ich wie sich im Moment aber auch Menschen am Weltmeistertum berauschen, die sonst für Chancengleichheit, Gerechtigkeit, Inklusion, Gender-Tralala und Ähnliches plädieren. Die, die immer alle gleichmachen wollen, die (Leistungs) Unterschiede verleugnen möchten. Die vielen Gutmenschen und alles Bessermachenwoller im weltmeisterlichen Deutschland. Denn gerade die WM zeigt auf, wie unsinnig diese Bestrebungen sind.

[Tweet „Gut gemeint, ist das Gegenteil von gut gemacht!“]

Frauenquote

Alle Spieler an dieser WM 2014 waren Männer! Keine Frauenquote – dabei täten feminine Eigenschaften dem Spiel sicher gut. Wobei, wenn wir doch alle gleich sind, was sind dann feminine, oder weibliche Eigenschaften? Nein, mal ganz im Ernst – im Männerfussball muss es im Rahmen der Gendergerechtigkeit zukünftig eine Frauenquote geben. Wer das nicht vehement fordert sollte sich zukünftig gut überlegen, wie sie/er zur Gendergerechtigkeit tatsächlich steht. Auf geht’s Alice, Arbeit wartet.

Geld und Leistung

Oder die Spielergehälter. Total abstrus. Da verdienen doch tatsächlich einzelne Spieler mehr Geld als andere. Viel mehr! Nur weil sie begehrter sind und mehr leisten. Das ist doch ungerecht, total ungerecht! Wer sich als Weltmeister fühlt und mit den Jungs von der Nationalmannschaft jubelt, darf sich nicht mehr für Einheitslöhne, gleiche Bezahlung für “gleiche Arbeit” und vermeintlich “gerechte Bezahlung” stark machen. Leistung wird bezahlt. Was Leistung ist bestimmt der, der bezahlt. Basta.

Uns Klinsi bringt es auf den Punkt:
[Tweet „„Es ist keine Zeit für Freundschaftsanrufe, jetzt geht es ums Geschäft.““]

Ist Fussi auch behindert?

Inklusion ist dank der Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom auch beim letzten guten Deutschen angekommen. Ja wo sind sie denn, die ganzen Menschen mit Handicap? Jubeln die auch? In keiner der angetretenen Nationalmannschaften habe ich Spieler mit offensichtlichem Handicap entdecken können. Klagen sich dann demnächst Eltern den Platz für ihre Kinder in der Nationalmannschaft ein? Absurd? Willkommen in Absurdistan! Wir sind Weltmeister.

Leistungsorientierung?

Reines Leistungsdenken, pure Leistungsorientierung ist beim Lernen und bei der Arbeit fehl am Platz? Bei der Arbeit keine Leistungsorientierung – im Fussball schon? Beim Fussball ist eines klar, es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore schießt. Punkt, äääh TOR. Wem das analog für seine Arbeit nicht passt, der sollte jetzt auch nicht jubeln. Denn reinere Leistungsorientierung als beim Sport gibt es nicht. Schlaaand, oh Schland.

Sport ist Wettbewerb und Wettkampf pur. Wer nicht für Wettbewerb ist, wer “Besser” und “Schlechter” aus der Welt schaffen will darf jetzt nicht jubeln. Oder kann sich das Etikett der Scheinheiligkeit und Verlogenheit von mir anheften lassen. Na gut Dummheit und mangelnder Durchblick gelten auch.

Fußball-Marketing

Ökologische Weltverbesserer dürften auch nicht jubeln. Denn Fussball ist nichts weiter als eine gigantische Marketing- und Verkaufsmaschinerie. Die Fußballergehälter sind letztlich Marketinggelder. Marketing für Unternehmen, die durch Sport und die wandelnden Litfaßsäulen Umsätze generieren. Große Gehälter für große Umsätze. Kein Unternehmen investiert in ein Produkt das dauerhaft nichts einbringt. Das zeigen die unzähligen anderen Weltmeister und Olympiasieger auf, die noch Geld mitbringen müssen um ihren sportlichen Erfolg zu finanzieren.

Wie sagte Uruguays Trainer so richtig:
[Tweet „„Es geht um die WM, nicht um die Moral.““]

Die Profi-Fußballspieler werden definitiv nicht für den Sport bezahlt. Die Spieler werden bezahlt, weil Fußball Geld in die Kassen des Kapitalismus spült. Wer Kapitalismus nicht mag, darf auch Profifußball nicht mögen, denn das ist Kapitalismus und Kommerz pur.

Spiritueller Fussball

Ach, jetzt hätte ich noch fast die Gilde der spirituellen Lehrer vergessen. Bedingungsloses Tun, Altruismus, Nächstenliebe. Yippee auch das hat mit Fußball nicht das Geringste zu tun. Ich habe noch keinen bedingungslosen Torschuss gesehen, bedingungslose Fouls schon eher – oder war das dann gnadenlos? Jede Mannschaft will gewinnen, will besser sein. Bedingungslos Besser! Soviel dazu.

Wie sagte noch der Staatspräsi von Uruguay:
„Er wird nicht dafür gelobt, ein großer Philosoph oder Mechaniker oder ein Mensch mit guten Manieren, sondern ein guter Fußballspieler zu sein.“

Echte Weltmeister

Last but not least: “Wir” sind nicht Weltmeister geworden! Da ist ein Team aus ca. 30 Personen Weltmeister geworden. Die haben sich das verdient, die haben sich das erarbeitet. Wer von “wir” spricht schmückt sich mit fremden Federn, aber da sind viele der oben beschriebenen Typen Weltmeister. Weltmeister darin sich mit fremden Federn zu schmücken. Meinen Glückwunsch zum Erfolg! Ich freue mich auch für die Jungs, freue mich mit ihnen.

Lassen wir dem Team den Erfolg. Deren Erfolg – nicht “unserer”. Freuen wir uns für die Spieler und die Entourage. Für deinen und meinen echten persönlichen Erfolg müssen wir schon selbst etwas tun. Da reicht es nicht ein deutscher Trittbrettfahrer zu sein.

Mach das Beste draus
Ralf

5 Kommentare zu “Scheinheiligkeit und weltmeisterliche Lügen”

  1. Lieber Ralf,

    Du bist ja echt der Hammer. Ein Artikel, wie er mir aus der Seele spricht. Auch ich habe mich für diese Meisterleistung gefreut. Und dennoch: Ich bin nicht Weltmeister – auf jeden Fall nicht im Fussball 😉
    Und Papst – na ja, das bin ich auf gar keinen Fall – dafür mag ich meine Frau zu sehr.
    Daher finde ich Deinen Ansatz so genial: Wir dürfen für uns selbst etwas tun. Weit weg von medialen Betäubungsmitteln. Auch wenn ich natürlich auch in Berlin das ein oder andere Spiel mit guten Freunden genossen habe. So wie ich früher auch Super Mario, Sonic und Indiana Jones Adventures genossen habe. Aber bin ich deswegen Indiana Jones – nein. Harrison Ford würde sicher Einspruch einlegen.
    Also suche ich meinen eigenen Bereich in dem ICH Weltmeister sein kann.
    Lieber Ralf, Dein Blog rockt.
    Marko

  2. P.S.: Die Visualisierung ist der Hammer. Freu Dich schonmal auf unser gemeinsames Video in einem der ersten Blogartikel von Blog-visualisiert-bloG (www.visualselling.de/blog)

    Alles Liebe,
    Marko

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