Jetzt bekommst du dein Fett ab (Runde 2)

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Jetzt bekommst du dein Fett ab (Runde 2)

Kohlenhydrate waren vor kurzem bei Runde 2 bereits ein Thema. Bedingt durch die Diskussionen vor und hinter den Kulissen habe ich versprochen noch mal etwas ausführlicher zum Thema Kohlenhydrate, Abnehmen und Gesundheit zu schreiben. Here we go:

Dein Körper, Stoffwechsel oder Organismus – nenn es wie du willst, braucht keine Kohlenhydrate im Essen.
Diese Aussage wurde teilweise stark angezweifelt. Das ist sehr verständlich, denn die Kohlenhydrat-Lobby (Agrarindustrie) hat es geschafft dich genau das glauben zu lassen.

Dabei ist das ein Fakt, der sehr leicht belegbar ist. Du musst keine Kohlenhydrate essen. Es gibt keine essentiellen Kohlenhydrate. Als essentiell wird im übrigen etwas bezeichnet, dessen Zufuhr lebensnotwendig ist.

Es gibt beispielsweise essentielle Fettsäuren. Diese Fettsäuren müsst du mit der Nahrung aufnehmen. Nur der Vollständigkeit halber – essentiell sind Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren.

Weiter sind bestimmte Aminosäuren („Eiweiss“) essentiell. Auch diese musst du mit der Nahrung zuführen, damit dein Körper funktioniert und du leben kannst.

Kohlenhydrate sind nicht essentiell

Ralf Gabler Rottweil ZuckerzeugDas wars dann mit essentiell! Sorry, keine Kohlenhydrate! Kohlenhydrate sind nicht essentiell, obwohl du grundsätzlich Kohlenhydrate zum Leben benötigst. Das bedeutet, du brauchst Kohlenhydrate, musst sie aber nicht essen.

„Hä, was jetzt? Ich brauche welche, muss sie aber nicht essen? Ja ne is klar, hier kommt dann sicher das Bier ins Spiel! Wenn ich Kohlenhydrate nicht essen muss trinke ich sie eben. Prost.“

NEIN, auch nicht. Du musst keinerlei Kohlenhydrate mit der Ernährung zuführen. Dein Körper kann die benötigten Kohlenhydrate selbst herstellen. Aus verzehrtem Fett und Eiweiß, stellt dein Körper Kohlenhydrate selbst her. Der Vorgang nennt sich Gluconeogenese. Deshalb gibt es keinen Kohlenhydratmangel, selbst wenn du keine Kohlenhydrate isst.

Studien zu Kohlenhydraten

Wer das Ganze etwas genauer will schaut auch mal noch kurz in die Wikipedia: Kohlenhydrate/Glukoneogenese
Studien zum Thema Kohlenhydrate und Gesundheit findest du zum Beispiel hier und hier.

Damit ist schon mal die erste Sache klar – Du brauchst keine Kohlenhydrate essen um leben zu können. Auch wenn es dir vielleicht schwer fällt das zu glauben (geht selbst mir noch so).

Insulin, Kohlenhydrate und Abnehmen

Kommen wir zum zweiten Diskussionspunkt. Was geschieht, wenn du Kohlenhydrate wie zum Beispiel Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Zucker, … isst.

Zunächst ist das nicht weiter problematisch. Dein Organismus bemerkt einen mehr oder weniger starken Anstieg der Kohlenhydrate im Blut. Dein Blutzuckerspiegel steigt. Denn die Kohlenhydrate werden im Darm zu Zuckern umgewandelt. Der Anstieg ist mehr oder weniger stark, je nach Art und Menge der von dir gegessenen Kohlenhydrate.

Dementsprechend fällt auch die Reaktion deines Körpers aus. Dein Organismus beginnt Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ins Blut auszuschütten. Er versucht den Zucker wieder aus dem Blut zu bekommen. Warum? Zu viel Kohlenhydrate im Blut würden dich ohnmächtig umfallen lassen (sog. hyperglykämisches Koma). Deshalb müssen die Kohlenhydrate so schnell wie möglich raus aus deinem Blut.

Das geschieht wie oben gesagt über die Insulinausschüttung. Der Zucker im Blut wird mit Hilfe des Insulins direkt in deine Zellen eingelagert oder in Fett umgewandelt. Gleichzeitig sorgt das Insulin dafür, dass kein Fett mehr abgebaut wird. Würde ja auch wenig Sinn machen, Fett aufzubauen und einzulagern und gleichzeitig Fett zu verbrennen. Zuerst mal muss der Zucker raus aus dem Blut. Also noch mal zum Mitschreiben: Insulin im Blut verringert die Fettverbrennung. Kohlenhydrate im Essen steigern den Blutzuckerspiegel. Viel Kohlenhydrate, viel Blutzucker. Zucker im Blut, bringt Insulin ins Blut. Insulin hemmt den Fettabbau.

Logische Konsequenzen:

Logische Konsequenz 1: Viel Kohlenhydrate im Essen - kein Fettabbau!
Logische Konsequenz 2: Viel Kohlenhydrate im Essen - viel Fetteinlagerung.

Das ist die Basis. Natürlich reagiert jeder Mensch geringfügig anders. Manche sind sehr sensibel auf Insulin. Gehörst du dazu solltest du, wenn du abnehmen willst extrem wenig Kohlenhydrate essen. Wenn du im Zweifel bist, iss einfach extrem wenig Kohlenhydrate und mach den Eigenversuch. Wie gesagt – du brauchst KEINE Kohlenhydrate für ein gesundes Leben. Die Chance, daß der Verzicht auf Kohlenhydrate aber auch für dich einen großen Unterschied macht ist aus meiner Erfahrung sehr groß.

Hast du noch Fragen? Lebst du vielleicht schon weitgehend ohne Kohlenhydrate oder bist bei dem Versuch auf Kohlenhydrate zu verzichten gescheitert? Ich freue mich auf deine persönliche Story, auf deine Fragen und Anregungen hier in den Kommentaren.

2017-02-16T09:12:09+00:00 By |14 Comments

14 Kommentare

  1. Julia Februar 28, 2014 um 10:20 am Uhr- Antworten

    Hallo Ralf, das ist natürlich ganz mein Thema 🙂 Schön, das auch mal von jemand anderem zu lesen! Eine kleine Bemerkung aus meiner Praxis: ich versuche zu vermeiden, dass meine Kunden von kohlenhydrat-loser Ernährung sprechen. Denn viele realisieren nicht, dass auch Gemüse und Obst Kohlenhydrate sind! Und diese Kohlenhydrate brauchen wir schon, meiner Meinung nach.

    • Ralf Gabler Februar 28, 2014 um 11:32 am Uhr- Antworten

      Hallo Julia,

      guter Punkt! Kohlenhydratlos ist auch nicht wirklich realisierbar. Es ist kohlenhydratarm, oder neudenglisch „Low Carb“. Wobei ich für den Umstieg (12 Wochen +) tatsächlich empfehle das Obst ganz draußen zu lassen. Gemüse ist (trotz Kohlenhydraten) ein absolutes Muss. Da hast du völlig recht. Obst? Sehe ich nicht als sehr wichtig, aber nach einer Phase von über 12 Wochen kann das Obst teilweise auch vorsichtig wieder integriert werden.

      Ich habe hier nur die Erfahrung gemacht, dass ein Teil meiner Klienten dann wieder abrutscht und sich durch das Obst langsam aber stetig die Kohlenhydrate wieder ins Essen holt. Gemüse ist grundsätzlich absolut unbedenklich. Aus meiner Sicht auch die „unterirdischen“ Gemüse, die eine strenge Low Carb Ernährung ablehnt.

      Das muss aber jeder für sich selbst testen, ob, wann und wie er auf Kohlenhydrate reagiert.

      Findet das so auch deine Zustimmung?

      Herzliche Grüße
      Ralf

  2. Julia Gruber März 1, 2014 um 10:19 am Uhr- Antworten

    Hallo Ralf
    Ich habe mit meinen Kunden sehr gute Erfahrung gemacht, dass sie auch während der Umstellungsphase wenig Obst essen. Und zwar nur welches, was eine niedrige glykämische Last hat (Banane oder Datteln fallen also flach) und auch nur im Zusammenhang mit einer Mahlzeit (also kein Obst als Snack zwischendurch). Vorteil davon: vielen fällt es so sehr viel leicht, auf Süsses zu verzichten, weil sie als Nachtisch wenigstens noch etwas Obst essen können. Ich persönlich esse kaum Obst, ich bin aber irgendwie auch nicht „wild“ drauf 🙂 Mir gefällt übrigens die Bezeichnung „Slow Carb“ sehr gut! Liebe Grüsse, Julia

    • Ralf Gabler März 2, 2014 um 8:14 am Uhr- Antworten

      Hallo Julia,

      du bist einfach auch ein absoluter Profi! Danke für deine Ergänzungen. Slow Carb halte ich durchaus auch für einen interessanten, gemäßigten Versuch mit Kohlenhydraten klar zu kommen und abzunehmen.

      Herzliche Grüße
      Ralf

  3. Ralf Gabler März 3, 2014 um 12:02 pm Uhr- Antworten

    coach für Runde 2 schreibt: Jetzt bekommst du dein Fett ab! – http://t.co/cl1FT9FTTv http://t.co/2JhHqjofde

  4. Ruppert April 9, 2014 um 7:24 am Uhr- Antworten

    Hallo Ralf 🙂

    Eine sehr schön und verständlich geschriebene Zusammenfassung der Kohlenhydrat Hypothese, quasi die Quintessenz von Gary Taubes Botschaft.

    Funktioniert das, was du hier empfiehlst? In vielen Fällen: Ja. Wobei Low Carb nicht bei jedem Klienten funktioniert.

    Die interessantere Frage für mich: WARUM funktioniert das, was du hier empfiehlst (oft)?
    Tatsächlich ist es so, dass eine Low Carb Ernährung (egal ob in der Paleo Form, Atkins, selbst die Zone Diet) vor allem deshalb funktioniert, weil die eingeschränkte Auswahl an Lebensmitteln im Rahmen der jeweiligen Richtlinien einen ausgeglichenen oder leicht negativen Energiehaushalt hervorbringt. Das ist der Kicker.
    Menschen mit einem gecrashten Stoffwechsel durch vorherige Diäten sprechen auf eine Low Carb Ernährung genau so schlecht an, wie auf jeden anderen Versuch, Körperfett durch Kalorienreduktion loszuwerden.

    Ich bin auch kein Fan vom Kalorienzählen, ist für viele unnötig. Aber bei solchen „Patienten“ führt leider vielfach kein Weg drum herum. Nehmen wir mal eine durchschnittliche Frau, die an einem normalen Arbeitstag vielleicht einen Grundumsatz von 1800 kcal hat. Durch mehrere Abnehmversuche hat sich ihr Stoffwechsel aber mittlerweile bei 1400 (+/-) kcal eingependelt. Sie kann jetzt alle Croissants und Gummibärchen der Welt weglassen – wenn sie bei Butter und Öl heftig zulangt, wird das nichts mit dem abnehmen.

    Es stimmt, dass eine Kalorie ≠ eine Kalorie ist. Es ist wichtig, WAS wir essen. Allerdings sehen wir in der Ernährungswissenschaft derzeit, dass Taubes daneben lag. Insulin ist hinsichtlich des Fettstoffwechsels stark überbewertet worden, was mittlerweile Studien, die diese Hypothese getestet haben, zeigen konnten (Taubes schreibt zwar viel über gute Wissenschaft, ist in dieser Hinsicht aber selber alles andere als unumstritten). Momentan richtet sich der Fokus mehr auf Leptin, und damit auch weniger auf Kohlenhydrate per se, sondern auf bestimmte Makronährstoffkombinationen, wie wir sie in natürlichen Lebensmitteln nicht, aber in unserer industrialisierten Fertignahrung häufig finden.

    PS: Ich hab nichts gegen Low Carb, ernähre mich selber seit guten zwei Jahren vorwiegend so 🙂

    • Ralf Gabler April 9, 2014 um 10:40 am Uhr- Antworten

      Hallo Ruppert,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich gehe nicht mit allen deinen Aussagen konform, aber ich denke die Diskussion hier in den Kommentaren ist nicht so sinnvoll.

      Ich freue mich aber echt riesig über den Austausch und werde dich gern kontaktieren. Vielleicht können wir so etwas gemeinsames auf die Beine stellen und noch mehr Menschen mit Macher-Mentalität helfen ihr „Fett loszuwerden“. CU!

      Herzliche Grüße
      Ralf

  5. Chris Beier Juli 28, 2014 um 8:27 pm Uhr- Antworten

    Hallo Ralf,

    habe auch mit Low Carb sehr gute Erfahrungen gemacht. Schön es mal erklärt zu bekommen warum das so ist 🙂

    Ich muss zwar generell weniger auf mein Gewicht achten, aber mir geht es umso besser, je weniger Kohlenhydrate ich esse – und wenn dann eben die Slow Carbs, die die Bauchspeicheldrüse nicht so herausfordern.
    Aber wenn ich doch mal ein paar Kilo zu viel drauf hatte, war das immer eine effiziente Lösung, wieder auf ein gutes Gewicht zu kommen.

    Liebe Grüße,
    Chris

    • Ralf Gabler Juli 29, 2014 um 6:00 am Uhr- Antworten

      Hallo Chris,

      danke für deine Zeilen und es ist schön eine weitere Bestätigung zu hören. Kohlenhydratreduzierung oder „Verlangsamung“ funktioniert eben wirklich bei sehr vielen Menschen sehr gut um das Körperfett unter Kontrolle zu halten.

      Herzliche Grüße
      Ralf

  6. Dieter E. Albrecht August 1, 2014 um 7:04 pm Uhr- Antworten

    wenn ich das so lese, bleibt ja nichts mehr anderes übrig zur Ernährung als: Fleisch, Fisch, Fleisch, Fisch …!?

    ich will jedoch überwiegend Vegetarier bleiben …

    • Ruppert August 3, 2014 um 3:19 pm Uhr- Antworten

      Es gibt Low Carb und Very Low Carb. Wenn wir von <50g Kohlenhydraten am Tag reden, was Very Low Carb wäre, dann wäre das unter Ausschluss von tierischer Nahrung in der Tat nur schwerlich bzw, über Umwege umsetzbar.

      Ansonsten ist es überhaupt kein Problem, als Vegetarier Low Carb zu leben; neben Milchprodukten und Eiern, lassen sich auch über Kombinationen pflanzlicher Eiweißquellen wie Hülsenfrüchte komplette Proteine über die Nahrung aufnehmen und dabei die Kohlenhydrate zu kontrollieren. Hülsenfrüchte haben zwar viele Kohlenhydrate – aber viele davon sind als Ballaststoffe unerheblich.

      Hinzu kommt das ständige Thema von Korrelation und Kausalität. Low Carb Diäten funktionieren (wie aber auch andere Ansätze) zwar gut in klinischen Versuchen. Aber wir wissen zB. mittlerweile auch, dass Protein als Makronährstoff eine Schlüsselrolle für den Gewichtsverlust und ein normales Hungergefühl zukommt. Low Carb Diäten sind in der Regel reicher an Protein und anderen guten Nahrungsmitteln wie grünem Gemüse.

      Eine vegetarische Ernährung, die diesen Aspekten Rechnung trägt (viel gesundes Gemüse, viel Protein) kann ähnlich gute Ergebnisse einbringen – auch wenn sie nicht VERY low carb ist.

      • Ralf Gabler August 4, 2014 um 7:11 am Uhr- Antworten

        Hallo Ruppert,

        danke für deine zusätzlichen Ausführungen. Denen kann ich auch völlig zustimmen. Wer will kann problemlos „Low Carb“ und vegetarische Ernährung verbinden. Selbst im veganen Bereich gibt es Möglichkeiten ein Low Carb System umzusetzen, da wird es aber schwieriger und du bist auf fast auf zusätzliche Nahrugsmittelkonzentrate angewiesen.

        Die Menge der „verträglichen“ Carbs muss jeder für sich selbst testen und herausfinden wo seine individuellen Grenzen sind.

        Mach das Beste draus
        Ralf

  7. Dieter E. Albrecht August 1, 2014 um 7:05 pm Uhr- Antworten

    wenn ich das so lese, bleibt ja nichts mehr anderes übrig zur Ernährung als: Fleisch, Fisch, Fleisch, Fisch …!?

    ich will jedoch überwiegend Vegetarier bleiben …

    • Ralf Gabler August 2, 2014 um 5:51 am Uhr- Antworten

      Hallo Dieter,

      kein Problem ich bin ja auch bekennender Second-Hand Vegetarier und ziehe das durch. Das bedeutet ich esse überwiegend nur Essbares, was sich vorher vegetarisch ernährt hat. 😉

      Aber auch für die strengeren Vegetarer geht das. Gemüse gilt als „neutral“ durch die geringe Kohlenhydratdichte. Das heisst dann zum Beispiel Soja-Schnitzel, Tofu-Wurst, Nüsse, Milch, reichlich Eier und eben Gemüse und Fett.

      Mach das Beste draus
      Ralf

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