Functional Training – Gabler Training vs. Kieser Training

Freie Dips am Lebert EqualizerDer Werner Kieser ist er Erfinder des Kieser Trainings. Einfache Fitnesstudios, in denen an einfachen Maschinen einfach „Krafttraining“ gemacht wird. Functional Training mag der Werner Kieser nicht und das sagt er in seinem Artikel auch deutlich: Fitness-Szene: „Functional Training“. Denn Functional Training ist anscheinend konträr zu den von Kieser propagierten Werten. Gründe führt er auch reichlich auf, warum dieses neue Functional Training nichts taugt.

Analysieren wir doch mal kurz, was der Werner Kieser so anführt.

1. Laut Kieser sieht es so aus: „Kraft wird mit spezifischen Übungen erworben, bei denen die koordinativen Anforderungen möglichst anspruchslos sein sollen; denn Koordination dient der Verhinderung von Anstrengung, was bei einer Kräftigungsübung den Effekt eliminieren würde. Denn je geschickter ich die Hantel hebe, umso geringer die Anstrengung und damit der Trainingseffekt.

Gabler Training: Stimmt ja, aber eben auch nicht. Denn: Werde ich beim Training geschickter kann ich größere Lasten bewegen. Ich werde fitter, mein Organismus ist mit mehr Gewicht belastbar. Mehr Gewicht bei der Übungsausführung heißt höhere Festigkeit der Strukturen (Knochen, Knorpel, Sehnen und Bänder). Will der „Gesundheitssportler haben – zum Beispiel bei der Osteoporose-Prophylaxe. Zudem entwickelt sich das ZNS (einfach gesagt die Nerven und das Gehirn) bei anspruchsvollen Übungen. Ich weiss nicht, was der Werner Kieser gegen mehr Gehirn und Nerven hat – meine Sportler und auch ich finden das prima.

Wir halten fest: Übungen für Sportler dürfen gern anspruchsvoll sein!

2. Kieser schreibt weiter: „Koordination kann nur aufgabenspezifisch erworben werden. Einen sogenannten Transfer auf andere Bewegungsaufgaben gibt es nicht. Die Koordination für Fussball kann ausschliesslich mit Fussball erworben werden. Wechselt der Fussballer in eine andere Sportart – Handball, Skifahren oder was immer – nützt ihm die mit Fussball erworbene Koordination gar nichts. Somit ist auch die mit dem Functional Training erworbene Koordination nicht in den Alltag übertragbar.“

Das stimmt schon – Aber …

… eben auch nicht. Denn der Werner vergisst wieder das ZNS, die Unterstützungsmuskulatur und noch so einiges Andere.

Aber im Detail, ich habe ja im Kieser Studio noch nie eine „Fussballspielsimulationskrafttrainingsmaschine“ entdeckt. Gibt es auch nicht. Denn die wäre ja laut Aussage Kieser auch für Handballer, Schwimmer, Rugbyspieler etc. nutzlos. Damit für die Mehrzahl der Trainierenden. Ein wenig ist das leider auch mit den Maschinen so. Für die Mehrzahl der alltäglichen Aufgaben sind die Dinger trainingstechnisch reichlich nutzlos. Durch die Isolierung einzelner Muskelgruppen im Maschinentraining wird (als logischer Schluss aus obiger Aussage Kiesers) nur die isolierte Nutzung einzelner Muskeln trainiert. Oder um es anders zu sagen: Was nutzt ein toller Bizeps, wenn es einem bei echter Belastung Schultergelenk oder Ellenbogengelenk zerreisst. Der Körper hat nun mal eine Statik, Gelenke und Funktionsketten.

Aber weiter:

3. Der Werner weiss auch noch das: „Ausdauer oder Kraft? Was soll da entwickelt werden? Denn Ausdauertraining unmittelbar vor, nach, oder während dem Krafttraining hebt den Effekt des Krafttrainings auf.“

Sorry, aber das ist Unfug. Training ist Training und ein Trainingsreiz ist ein Trainings-Reiz. Was belegt ist, ist die unterschiedliche Wirkung von Ausdauertraining vor oder nach Krafttraining. Der Zeitpunkt an dem ich Ausdauer oder Kraft trainiere macht tatsächlich einen Unterschied. Mache ich das Krafttraining nach dem Ausdauertraining wird das Muskelvolumenwachstum stärker gefördert. Mache ich jedoch nach meinem Krafttraining ein Ausdauertraining bleiben die Muskeln etwas „sehniger“ und die intramuskuläre Koordination wird stärker gefördert.

Um es einfach zu machen: Wenn du im Freibad posen willst solltest du Kraft nach Ausdauer trainieren. Willst du sehnig sein dann machst du nach deinem Krafttraining noch eine Ausdauereinheit.

Sorry Herr Kieser – das war leider nix.

4. Last but not least: „Verletzungsgefahr besteht in hohem Masse bei schnellkräftigen, „explosiven“ und dreidimensionalen Bewegungen.“

Da hat nun wirklich Recht der Werner, aber auch wieder nicht. Eine langsame und träge 200 Kilo Hantel auf dem Rücken birgt ein Verletzungsrisiko. Ich hör ihn schon sagen: Das ist ja auch dreidimensional. OK stimmt, daher sage ich: 400 Kilo auf der Hackenschmid Maschine können auch ordentliche Schäden verursachen. Jede Belastung ist geeignet entsprechende Schäden zu verursachen.

Gehen wir zurück ins praktische Leben: Du läufst auf der Strasse, ein Auto „fährt dich an“. Hast du da die Wahl zu sagen – ich hätte gern lieber einen Lastwagen, den aber schön langsam und den Unfall bitte auf die Beine beschränkt? Ich denke nicht. Auch sonst hast du meist nicht die Wahl. Es kommt wie es eben kommt. Da ist es gut wenn du „schnellkräftige, „explosive“ und dreidimensionalen Bewegungen“ möglichst gut kannst. Wenn dein Körper rundum fit UND kräftig ist. Denn vereinfacht gesagt macht kräftig starke Knochen, Sehnen und Bänder.

Auch der Schlussabsatz ist Mumpitz:

„Muskelmasse, Knochensubstanz und Kapillaren – das sind die einzigen Substrate, die das Training erzeugen kann.“

Ein Training kann die Sauerstoffnutzung verbessern, ein Training kann die Schnelligkeit des ZNS verbessern, ein Training kann den Gleichgewichtssinn verbessern, ein Training kann ganz vieles. Das kann aber nicht „EIN Training“, dass kann ein Training, dass reich an Variationen ist. Denn jede Fähigkeit braucht spezielles, spezifisches Training. In der heutigen Zeit mit „keine Zeit“ haben sich hochintensive Intervalltrainings in Verbindung mit Training an freien Gewichten (z.B. klassisches Krafttraining für Gewichtheber) als sehr gute funktionale Trainingsmethoden herausgestellt.

Was, kein „Functional Training“? Auch hier ein klares Jein, Functional Training ist eine überbeanspruchte Worthülse. Hier hat der Werner Recht – eine neue Sau, die durch das Fitnessdorf getrieben wird. Auf diesen Zug kann man aufspringen, muss es aber nicht. Vieles was unter dem Deckmäntelchen „Functional Fitness“ angeboten wird ist weder Geld noch Schweiss und Mühen wert. Namen sind Schall und Rauch, was zählt ist das Training und die sinnvolle praxisnahe, zielorientierte Gestaltung, egal wie es dann letztlich genannt wird.

2017-02-16T09:12:10+00:00 By |10 Comments

10 Kommentare

  1. Werner Kieser Juli 19, 2013 um 1:28 pm Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Gabler

    Vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Zu Ihrer Information habe ich die Quellen meiner Aussagen in meinem Blog gesetzt. http://www.kieser-training.ch/blog/

    Sie haben einige interessante Thesen aufgestellt. Ich würde es begrüssen, wenn Sie, wie im wissenschaftlichen Diskurs üblich, auch Ihre Quellen aufzeigen würden. So können wir beide möglicherweise neue Erkenntnisse gewinnen.

    Mit freundlichen Grüssen

    Werner Kieser

  2. Markus K. Juli 19, 2013 um 4:47 pm Uhr - Antworten

    Was auffällt, ist Ihre sehr polemische Art in Ihrer Stellungnahme (mit herablassenden Äusserungen gegen Hr. Kieser). Warum nicht einfach rein auf Sach-Ebene argumentieren?

    • Ralf Gabler Juli 19, 2013 um 5:43 pm Uhr - Antworten

      Hallo Markus,
      ich bin einfach gern provokant. Meine Triggerpunkt-Massage ist provokant. Mein HIIT-Training ist provokant. Meine therapeutischen Ansätze sind oft provokant. Provokation löst Reaktionen aus. Ich mag es wenn auf Aktio, eine ReAktio folgt.
      Als herablassend sehe ich den Post jedoch nicht. Kieser hat durchaus Gutes für die Entwicklung des Sports geleistet, da will ich gar nicht dran rütteln. Es geht mir mehr darum, dass selbst „Expertenmeinungen“ hinterfragt werden dürfen und sollen.
      In diesem Sinne, danke für dein Feedback.

  3. Ralph Juli 19, 2013 um 9:41 pm Uhr - Antworten

    Provokant? Nun das nützt niemandem und dient nicht der Wahrheitsfindung.

    • Ralf Gabler Juli 20, 2013 um 8:17 am Uhr - Antworten

      Hallo Ralph,
      Wahrheitsfindung? Aus meiner Sicht hat es reichlich Sachargumente im obigen Post, die Formulierung ist eine reine Stilsache und hat mit den Inhalten nichts zu tun. Du kannst mir aber gern etwas von deiner Sicht der Wahrheit mitteilen, dann können wir darüber diskutieren.
      Zum Beispiel die Diskussion über Wahrheit in Bezug auf die Notwendigkeit von Maschinentraining bei grundsätzlich gesunden Menschen. Wie wär’s, Diskussion?

  4. Behar Juli 24, 2013 um 12:33 pm Uhr - Antworten

    Hallo,

    Wie wärs mit quellen Angaben? Sowas können alle behaupten.Die die es verstehen ,wissen dass es nicht stimmt was Sie da schreiben.

  5. Bastian Juli 24, 2013 um 1:32 pm Uhr - Antworten

    Sorry Herr Gabler, ich stimme meinen Vorgängern zu. Ihre Beiträge sind wenig, bis nahezu gar nicht fundiert. Ihr Ton ist nicht provokant, sondern teils aggressiv. Die Polemik klingt eher nach Stammtisch-Philosoph, der mit klischeehafter „Logik der Masse“ selbige hinter sich bringen möchte. Auch die Degradierung des Hr. Kieser zum Kind, indem sie ihn als der „der Werner“ ansprechen, kommt höchst unsachlich daher. Belegen Sie Ihre Hypothesen mit wissenschaftlichen Grundlagen.

  6. Stef Juli 24, 2013 um 10:18 pm Uhr - Antworten

    Na ja, ich denke es geht dem Verfasser (mit der provokativen Art) in erster Linie um Selbstdarstellung und natürlich v.a. Marketing (AIDA lässt grüssen). Hr. Kieser hat nie behauptet, dass z.Bsp. Hanteln nicht auch ein produktives Trainingsgerät sind. Er vertritt eine spezifische Art des Trainings, die für seine Zielgruppe und das Haupt-Ziel ebendieser durchaus geeignet ist. Hr. Kieser ist dem Verfasser wohl persönlich nicht bekannt, er ist selber eine unkonventionelle Persönlichkeit (in keinster Weise eine typ. „Autorität“) und nach wie vor durchaus offen für Neues. Die sog. Labels in der modernen Krafttrainings- und Fitness-Szene (Marketing-bedingt, jeder will sich abheben und was „Eigenes“ anbieten) kann man vergessen, es gibt div. Methoden die effektiv sind, es kommt drauf an welche Ziele jemand anstrebt. Empfehle z.Bsp. das Buch „Super Natural Strength“ (von Bob Whelan), sachorientiert, von einem unabhängigen, kompetenten Veteran der Szene, vertritt weder das sog. „Functional Training“ (sic), noch irgendwelche anderen Labels.

    • Ralf Gabler Juli 25, 2013 um 7:27 am Uhr - Antworten

      Hallo Stef,

      danke für die aus meiner Sicht sehr gute Antwort! Ich habe/hatte nie etwas gegen Herrn Kieser (persönlich sowieso nicht), mit dem Artikel über Functional Training hat er sich nur selbst ein Ei gelegt. Da muss ihm etwas ziemlich quer gelegen sein und er (oder ein Ghostwriter) hat aus dieser Verärgerung etwas unreflektiert geschrieben.

      Wie du bin auch ich der Meinung, dass Functional Training lediglich eine Worthülse ist (steht im Artikel). Was damit automatisch auch bedeutet, dass Dinge, die als Functional Training angeboten werden durchaus gut und hilfreich für das Training sein können. Natürlich wie du schreibst, immer in Hinblick auf Ziele und Aufgabenstellung.

      Wenn du Interesse hast etwas über das oben genannte Buch als „Review“ zu posten (egal ob kurz oder lang) – immer her damit! Bildung schadet nicht.

      Herzliche Grüße
      Ralf

  7. […] ersten Teil des Artikels Functional Training – Gabler Training vs. Kieser Training habe ich mich mit einem Artikel von Werner Kieser auf dessen Schweizer Trainingsblog […]

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